Ketil Bjørnstad „Emma oder das Ende der Welt“

„Müßiggang ist der beste Freund der Trauer. Dann macht sie dich fertig.“

Der Roman beginnt bereits mit einer Tragödie, einem schmerzvollen wie unfassbaren Verlust, den Eltern nie erfahren sollten. Emma, die neunjährige Tochter von Aslak Timbereid und seiner Frau Hanne, stirbt nach einem Flugzeugunglück – als einziges Opfer. Zu Beginn von Vorahnungen gequält, sucht der Vater gemeinsam mit der Mutter seines Kindes nach einem Schuldigen des Unglücks. Der neue Roman „Emma oder das Ende der Welt“ des Norwegers Ketil Bjørnstad beschreibt allerdings nicht nur die Tragödie und ihre furchtbaren Folgen. Das Buch gibt einige Einblicke in die literarische Szene des skandinavischen Landes und versammelt zugleich zahlreiche interessante Gedanken von großen Namen.  „Ketil Bjørnstad „Emma oder das Ende der Welt““ weiterlesen

Tierische Helden – Zwei Bücher für den Gabentisch

Sie sind überall, um uns herum. Sie laufen, sie kriechen, sie schwimmen, ja, sie fliegen auch. Sie haben ein Fell, Gefieder, Schuppen oder eine aalglatte Haut. Die Natur ist voller wundersamer tierischer Wesen, denen es vermutlich ohne uns Menschen besser gehen würde. Zwei Bücher möchte ich an dieser Stelle vorstellen, denen ich mich in den vergangenen Tagen mit Begeisterung gewidmet habe und die sich wunderbar als Geschenk eignen für all jene, die Freude an der Tierwelt haben, über sie noch immer staunen und gerne lesen.

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Echo der Vergangenheit – Andreas Pflüger „Niemals“

„Blind zu sein hat auch Vorzüge.“

Ihre Rückkehr beschließt sie in der Stille Schwedens. Hier hat sich Jenny Aaron nach ihrem letzten Einsatz zurückgezogen, um sich an der Seite von Lissek, dem einstigen Chef der Spezialeinheit, zu kurieren – seelisch wie körperlich. Vor wenigen Wochen hat die blinde Ermittlerin ihren Partner Niko verloren, und fast ihr Leben. Doch für ihre Genesung bleibt wenig Zeit: Erneut meldet sich die Vergangenheit zurück, und ihr früheres Team fordert ihre besonderen Fähigkeiten – wie bereits im letzten Fall, mit dem Andreas Pflüger die Reihe über die charismatische wie außergewöhnliche Ermittlerin mit dem Band „Endgültig“ beginnen ließ.  „Echo der Vergangenheit – Andreas Pflüger „Niemals““ weiterlesen

Vom Feuer – Nicol Ljubić „Ein Mensch brennt“

„Die Wirklichkeit aber ist ein Wechselspiel zwischen Erbanlagen und Erlebtem.“

Jan Palach, Oskar Brüsewitz, Hartmut Gründler. Drei verschiedene Männer aus unterschiedlichen Städten, die doch auf die selbe Art und Weise ihrem Leben ein Ende und zugleich ein letztes Zeichen ihres Protestes gesetzt haben. Sie übergossen sich mit Benzin und zündeten sich selbst an. Ein unvorstellbar grausamer Tod. Während der Prager Student Palach und der Zeitzer Pfarrer Brüsewitz gegen das Diktat der Sowjetunion beziehungsweise die Unterdrückung der Kirche in der DDR protestierten, gehörte Gründler in den 1970er-Jahren zu den Gegnern der Atomkraft. In seinem neuen Roman „Ein Mensch brennt“ erinnert Nicol Ljubić an den einstigen Lehrer und Umweltaktivisten und erzählt zugleich eine berührende Familiengeschichte.  „Vom Feuer – Nicol Ljubić „Ein Mensch brennt““ weiterlesen

Drei Frauen – Svealena Kutschke „Stadt aus Rauch“

„Sie hatte gerade die Angst vor der Dunkelheit verloren, als sie lernte, dass es die Dunkelheit war, in der Menschen verschwanden.“

Lübeck – Hansestadt und Weltkulturerbe, an der Trave gelegen, bekannt für Marzipan und als Schauplatz des berühmten Thomas-Mann-Romans „Die Buddenbrooks“, erste Großstadt, die während des Zweiten Weltkriegs bei einer Flächenbombardierung der Alliierten Tod und Verwüstung erfuhr. Lübeck zählt für mich zu den charismatischsten Städten des Nordens, hat Geschichte und Geschichten geschrieben. Eine ist nun mit dem neuen Roman von Svealena Kutschke dazugekommen, der die wechselvolle Historie der Stadt mit jener einer Familie auf unnachahmliche Art und Weise verschmelzen lässt.  „Drei Frauen – Svealena Kutschke „Stadt aus Rauch““ weiterlesen

Wunden – Gilles Marchand „Ein Mund ohne Mensch“

„Man kann seine Narben nicht auf ewig vor seiner Familie verbergen.“ 

Er ist Sichtschutz wie Schutzschild. Er bewahrt vor Blicken wie er seinen Träger vor Reaktionen und damit vor der stetigen Erinnerung an ein schreckliches Ereignis schützt. Der namenlose Ich-Erzähler in dem Debüt des Franzosen Gilles Marchand mit dem Titel „Ein Mund ohne Mensch“ trägt seit frühester Kindheit einen Schal, der den Hals und die untere Partie des Gesichtes verbirgt. Warum das so ist, wird erst am Ende des Romans, der neben dem Schicksal seines Helden viele kleine wundersame Geschichten enthält, erzählt.  „Wunden – Gilles Marchand „Ein Mund ohne Mensch““ weiterlesen