Verurteilt – Hannah Kent „Das Seelenhaus“

„Zu wissen, was eine Person getan hat, und zu wissen, wer ein Mensch ist, sind zwei ganz verschiedene Dinge.“

Das Wort Urteil hat zwei verschiedene Bedeutungen. Es beschreibt sowohl die Entscheidung eines Gerichts als auch die Meinung, die ein Mensch von einem anderen hat. Mit beiden Varianten beschäftigt sich der Roman „Das Seelenhaus“ der australischen Autorin Hannah Kent. Ihr Debüt führt in das Island des 19. Jahrhunderts und in das Leben einer besonderen Frau. „Verurteilt – Hannah Kent „Das Seelenhaus““ weiterlesen

Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen

Das Leben besteht bekanntlich aus Entscheidungen. Manchmal muss eine von zwei Möglichkeiten gewählt werden. Schwieriger wird es, wenn mehrere bestehen. Ob in Lebensphasen oder konkreten Situationen. Bücherfans stehen immer wieder vor der Frage, welches Buch lese ich als nächstes, welche Bücher kaufe ich – angestachelt von Rezensionen in den Medien, Lesetipps von Freunden, Bücherbergen in den Buchhandlungen. Vor allem zweimal im Jahr scheint das Meer aus Möglichkeiten sich zu einem Ozean auszudehnen, in denen Bibliophile jedoch mit Begeisterung hineinspringen. Im Frühjahr und Herbst ist Hochkonjunktur  für Neuerscheinungen, die mit Verlagsvorschauen angekündigt werden. „Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen“ weiterlesen

Weltenbrand – Katja Kettu „Wildauge“

„Wir sind dazu bestimmt, diese Welt mit zwei Augen zu betrachten, nur wir gemeinsam, denn ohne unsere Liebe ist diese Welt ein gähnender Lautsprecher, in dem der grausame und faulige Sturm des Todes brüllt.“

In Zeiten des Krieges verlieren selbst Orte der Idylle ihre Schönheit. Auch vor ihnen machen der Kampf und das Töten nicht halt. Deutsche Truppen, sowohl die SS-Elitegarde als auch die Wehrmacht, eroberten Europas Norden. Selbst das Gebiet oberhalb des Polarzirkels wurde besetzt. Eine besondere Geschichte aus dieser Zeit und aus jener Region hat die finnische Autorin Katja Kettu in ihrem Roman „Wildauge“ verarbeitet. „Weltenbrand – Katja Kettu „Wildauge““ weiterlesen

Druck – Per Petterson „Ist schon in Ordnung“

„Mein Körper ist auf eine andere Weise erschöpft als früher, es ist die Zeit, ich weiß.“

Es gibt Bücher, die erzählen nahezu flüsternd und unaufgeregt ihre Geschichte. Dann findet man Bücher, die tragische Schicksale und Geschehnisse fast schreiend in die Welt bringen. Per Pettersons Roman „Ist schon in Ordnung“ gelingt es, beides zu vereinen. Bekannt geworden ist der Norweger hierzulande mit seinem Roman „Pferde stehlen“. Nach und nach hat er auch in Deutschland eine wachsende Fan-Gemeinde erhalten, ist von Kritikern mit Lob bedacht worden. „Druck – Per Petterson „Ist schon in Ordnung““ weiterlesen

Amerika – Matthias Engels „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“

„Siehe nun zu, daß du in der Komödie deines eigenen Lebens eine Rolle zu spielen anfängst. Gut, antworte ich mir. Und dann nahm ich hier Platz.“ Knut Hamsun „Mysterien“

Mit einem ersten Blick in ihre Lebensgeschichten unterscheiden sie sich mehr, als dass sie sich ähneln. Der eine stammt aus Irland, der andere aus Norwegen. Der eine mag die Romantik, der andere den Naturalismus. Doch Oscar Wilde (1854-1900) und Knut Hamsun  (1859-1952) verbinden zwei besondere Erfahrungen: Beide sind als junge Männer nahezu zur selben Zeit nach Amerika gereist, beide standen später vor Gericht. Der homosexuelle Wilde wegen Unzuchts, Hamsun wegen Landesverrats. Er hatte im hohen Alter deutliche Sympathien gegenüber dem Dritten Reich gezeigt, seine Nobelpreismedaille sogar Reichspropagandaminister Joseph Goebbels geschenkt. Danach ist ihr Leben nicht mehr das, was es einmal war. Matthias Engels bringt beide großen Autoren in einem wunderbaren Roman zusammen.  „Amerika – Matthias Engels „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun““ weiterlesen

Abschied im Sommer – Rax Rinnekangas „Der Mond flieht“

„Gerade das Schicksal ist es, das Menschen zu Verrückten macht.“

Es sollte ein besonderer Sommer werden. Ein eigenartiges Gefühl des Aufbruchs liegt in der Luft, als der 13-jährige Lauri mit den Geschwisterkindern Sonja und Leo die Grenzen austestet. Ob hoch oben auf dem Prügelmann, einer alten Fichte, oder im Heu bei den ersten gegenseitigen körperlichen Entdeckungen. Eine innige Freundschaft entsteht, die sich zu einer ersten Liebe verwandelt. Doch ein entsetzlicher Unfall setzt diesem Aufbruch in die kommende Jugend ein furchtbares Ende.  „Abschied im Sommer – Rax Rinnekangas „Der Mond flieht““ weiterlesen