Gusel Jachina – „Wolgakinder“

„Ihr kleines Leben verlief nach eigenen Gesetzen. Auch die Zeit verging dort anders – langsam und kaum spürbar.“

Im 18. Jahrhundert verließen sie ihre Heimat. Sie folgten dem Ruf der russischen Zarin Katharina der Großen (1729 – 1796). Das große weite Reich im Osten und die Gestade des längsten Flusses der Welt sollten ihre neue Heimat werden: In den folgenden Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten erlebten die Wolgadeutschen eine wechselvolle Geschichte. Immer wieder trieb es sie in andere Gegenden der Erde, immer wieder waren sie Spielball der deutsch-russischen Politik und Repressalien ausgesetzt. Mit ihrem neuen Roman „Wolgakinder“ erinnert die russisch-tartarische Autorin und Filmemacherin Gusel Jachina auf literarische Weise an die Historie der Volksgruppe und die Nachfahren der einstigen Einwanderer.    „Gusel Jachina – „Wolgakinder““ weiterlesen →

Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel“

„Die eigene Verwundbarkeit analysieren, das ist es, was dieser Ort und ich brauchen (…).“

Dunkelheit und Kälte herrschen. Es ist Winter im äußersten Norden Norwegens. Eine Fischerhütte ist für die kommenden Wochen und Monate das Zuhause einer Wissenschaftlerin. Der nächste Ort ist 100 Kilometer entfernt. Sie will forschen, erfahren, wie sich die Klimaveränderungen auf die Populationen der Seevögel auswirken. Doch die Zeit als Einsiedlerin, ausgeliefert der kargen und weiten Landschaft und den Witterungsbedingungen, wird für die junge Frau zu einer intensiven körperlichen wie mentalen Herausforderung, weil auch ihre eigenen Erwartungen an diesen Forschungsaufenthalt anders sind als die Realität und sie überrollt wird von der Vergangenheit. „Gøhril Gabrielsen – „Die Einsamkeit der Seevögel““ weiterlesen →

Andreas Tjernshaugen – „Von Walen und Menschen“

„Unter den Wellen manövriert das größte Tier der Welt wie ein Kunstflugpilot oder ein verspielter Rabe in einer Windböe.“

Andreas Tjernshaugen hat bereits über die nur wenige Gramm schweren und nicht einmal Handteller großen Meisen geschrieben. Sein Buch „Das verborgene Leben der Meisen“ (Insel Verlag) wurde ein Erfolg, ein Bestseller, auch in Deutschland. In seinem neuesten Werk wendet sich der Norweger dem ganzen Gegenteil zu: den größten Tieren auf unserem Planeten –  den tonnenschweren Walen, wobei besonders der Blauwal im Mittelpunkt steht. Der Soziologe und Sachbuch-Autor scheint die Kontraste zu lieben. Sein Buch ist eine Liebeserklärung an die einzigartigen Säuger, aber auch eine Abrechnung mit dem gefährlichsten und gewissenlosesten Raubtier, uns Menschen.

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Ulrich Alexander Boschwitz – „Menschen neben dem Leben“

„Die Welt war im Begriff auseinanderzubersten (…).“

Wenn ich durch Kunstausstellungen gehe, die Namen der Künstler und deren Lebensdaten lese und manchmal erkennen muss, dass einigen kein langes Leben beschieden war, die Sterbejahre auf die großen Kriege, Leid und Vernichtung hinweisen, empfinde ich eine tiefe Trauer. Ich frage mich: Was hätte jener Künstler noch schaffen, entstehen lassen können? Nicht anders ergeht es mir bei Schriftstellern. An einen denke ich nach der Lektüre von nunmehr zwei seiner Romane des Öfteren: an Ulrich Alexander Boschwitz (1915 – 1942). Nach der großen literarischen Entdeckung seines Buches „Der Reisende“  durch den Verleger Peter Graf über die bedrohliche antisemitische Stimmung in den ersten Jahren des Dritten Reiches ist mit „Menschen neben dem Leben“ nun glücklicherweise auch das Debüt des gebürtigen Berliners erneut erschienen.

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Jón Kalman Stefánsson – „Ástas Geschichte“

„Und das Leben kann ein so schrecklich kurzer Atemzug sein.“

Was ist ein Leben anderes als ein Wollknäuel aus Fäden verschiedener Farben, die sowohl für die eigenen Erlebnisse, Gedanken und Erinnerungen als auch für die Gedanken und Erinnerungen anderer, die uns all die Jahre über begleiten, stehen. An ein solches Wollknäuel erinnert der neue Roman des Isländers Jón Kalman Stefánsson, denn in „Ástas Geschichte“ findet sich ein Chor aus Stimmen, die zusammengefügt ein eindrückliches Bild einer besonderen Frau erschaffen.

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Francesca Melandri – „Alle, außer mir“

„Für das, was hier geschah, hatte selbst Gott keine Worte.“

Drei Worte, eine Formel des Glücks, ein Mantra, das Attilio Profeti sein ganzes, nunmehr über 90 Jahre währendes Leben begleitet. Ein Leben, das Krieg und Kolonialismus – und Lügen kennt. Lügen über seine unrühmliche Vergangenheit, über seine Frauen, über die Anzahl seiner Kinder. „Alle, außer mir“ heißt diese Glücksformel, die sich im Titel des eindrucksvollen wie ergreifenden Romans der italienischen Schriftstellerin Francesca Melandri wiederfindet, der die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg mit der Historie der beiden Länder Italien und Äthiopien verbindet.

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