Heimatlos – Ulrike Draesner „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“

„Wir hatten ein Kind verloren, das Erbe verloren, alle Gräber, ein Stück unserer selbst, die Verbindung zu unserer Vergangenheit, die Verankerung in Besitz und Beständigkeit, das Vertrauen, da sein zu dürfen.“

Weder persönliche Erinnerungen noch statistische Zahlen können das Ausmaß erfassen, als Millionen Menschen am Ende des Zweiten Weltkriegs Flucht und Vertreibung erleben. Sie werden zu Heimatlosen, die ihr früheres Leben zurücklassen und nie wieder Wurzeln schlagen werden. Selbst die folgenden Generationen sind gezeichnet. Ulrike Draesner hat mit ihrem Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ jenen Familien eine Stimme gegeben. „Heimatlos – Ulrike Draesner „Sieben Sprünge vom Rand der Welt““ weiterlesen

Gerettet – Ingvild H. Rishøi „Winternovellen“

„Wieder hing alles zusammen. Nach einem Muster, in einem gewissen Sinn.“

Wenige Tage nach dem Frühlingsanfang über ein Buch zu schreiben, das den Winter im Namen trägt und auch in der kalten Jahreszeit zeitlich verortet ist, mag womöglich nicht passend erscheinen. Doch „Winternovellen“ der norwegischen Autorin Ingvild H. Rishøi ist ein besonderes Buch für jede Jahreszeit. Zudem gilt diese Besprechung auch dem diesjährigen Indiebookday, der am 26. März auf Werke aus unabhängigen Verlagen verstärkt aufmerksam machen will. „Gerettet – Ingvild H. Rishøi „Winternovellen““ weiterlesen

Schweigen und Schuld – Verena Boos „Blutorangen“

„Es  gibt das Gesagte und dahinter das, was aus der Dunkelheit ein Echo zurückwirft.“ 

Eine Hochzeit bringt zwei Familien zusammen. Die Spanierin Maria Teresa, kurz Maite genannt, heiratet ihre große Liebe Carlos aus München, den sie während ihres Studiums kennengelernt hat. Beide ahnen indes nicht, dass ihre eigenen Familiengeschichten wiederum Ausdruck der großen Geschichte sind. Eine Fotografie bringt die Tochter aus gutem Hause auf die Spur der dunklen Vergangenheit ihres Vaters. Und auch in Carlos‘ Großvater Antonio hat sich die Geschichte hineingeschrieben.    „Schweigen und Schuld – Verena Boos „Blutorangen““ weiterlesen

Damen mit Zepter – Lluís Llach „Die Frauen von La Principal“

Was auf den ersten Blick wie ein Unglück erscheint, verkehrt sich ins Gegenteil. Es ist eine Überraschung, wenn nicht gar eine kleine Revolution, als der katalanische Gutsbesitzer Andreu Roderich von seinen insgesamt fünf Kindern der einzigen Tochter im Bunde das Weingut La Principal zuspricht. Es ist die Zeit, als die Reblaus grassiert und ganze Weinregionen auf einen Schlag vernichtet werden. Auch die La Principal  bleibt nicht verschont. Doch in jener Zeit, als die Gleichberechtigung noch weit entfernt und die Gemeinschaft patriarchalisch geprägt war, bildet die Entscheidung des Gutsherrn den Auftakt einer lange Epoche, in der Frauen das Zepter halten. „Damen mit Zepter – Lluís Llach „Die Frauen von La Principal““ weiterlesen

Norwegens „Bragepris“

In der Reihe „And the winner is…- Literaturpreise“ soll es nach dem Auftakt mit einem Beitrag über den Literaturpreis des nordischen Rates mit dieser zweiten Folge weitergehen. Und wir reisen an dieser Stelle noch einmal nach Skandinavien. Nicht nur, weil Nordeuropa bekanntlich sehr eng mit Literatur verbunden ist und die Nordeuropäer als sehr lesefreudig gelten, sondern auch um die Gelegenheit zu nutzen, um auf die Literatur jener Länder hinzuweisen. Konkret geht es mit dem „Brageprisen“, dem „Brage-Preis“, nach Norwegen.  „Norwegens „Bragepris““ weiterlesen

Schatten – Christoph Hein „Glückskind mit Vater“

„Mit unseren Erinnerungen versuchen wir, ein missglücktes Leben zu korrigieren, nur darum erinnern wir uns. Es sind die Erinnerungen, mit denen wir uns gegen Ende des Lebens beruhigen.“

Der folgende Gedanke macht zugegeben recht traurig: Der Wunsch auf ein selbstbestimmtes Leben bleibt meist unerfüllt, erweist sich als Trugschluss, als Fantasie. Selbst wenn wir hoffen, wenn wir tapfer, wenn wir ehrgeizig sind. Unser Lebensweg wird oft in andere, nicht gewollte und erwünschte Richtungen gelenkt. Christoph Heins neuer Roman „Glückskind mit Vater“ erzählt davon und weckt ein melancholisches Gefühl wie er wiederum glücklich macht, einen besonderen Helden kennengelernt zu haben.  „Schatten – Christoph Hein „Glückskind mit Vater““ weiterlesen