Lucine – Delphine de Vigan „Das Lächeln meiner Mutter“

„Ich schreibe wegen des 31. Januars 1980. Der Ursprung des Schreibens liegt genau dort, das weiß ich dunkel, in diesen wenigen Stunden, die unser Leben kippen ließen, in diesen Tagen davor und in der Zeit der Isolation.“

Mit dem Blick eines stillen Beobachters erscheint es, dass viele Familien ein harmonisches und zufriedenes Leben führen. Auch die Fotos, die an den Wänden hängen, auf Kommoden stehen, unterstreichen diesen ersten Eindruck. Erst durch das Erzählen oder durch das Schreiben dringen oftmals traurige und tragische Geschehnisse und Details an die Öffentlichkeit. Die französische Autorin Delphine de Vigan hat ihre Familiengeschichte niedergeschrieben, die von Dramatik, Emotionen, Krankheit und Tod sowie einer besonderen Beziehung zu ihrer Mutter Lucine geprägt ist.  „Lucine – Delphine de Vigan „Das Lächeln meiner Mutter““ weiterlesen

Liebesleid – Tomas Espedal „Wider die Natur“

„Unsere Kinder nicht, unsere Eltern nicht, unsere eigene Geschichte nicht, auch unsere Kindheit und Jugend nicht oder unsere Freunde und Freundinnen, die Liebsten nicht; nichts gehört uns.“

Die Liebe lässt sich nicht anhand des Faktors Zeit bemessen. Eine kurze intensive Partnerschaft kann deutlichere Spuren im Inneren hinterlassen als eine Beziehung, die über Jahre und Jahrzehnte andauert. Doch was schmerzt mehr – die Entscheidung des Einen, dass eine Partnerschaft gescheitert ist, oder die Überraschung des Anderen, der danach plötzlich verlassen wird? Tomas, ein Schriftsteller, zählt zu jenen, die zurückgelassen werden. Seine Freundin verabschiedet sich, verlässt die gemeinsame Wohnung. Daraufhin zieht er sich zurück, findet im Alkohol und im Schreiben seinen Trost. In seinen Notizbüchern schreibt er seinen Schmerz nieder. Tomas ist dabei kein fiktiver Unbekannter. Tomas ist Tomas Espedal, der norwegische Schriftsteller und Freund des etwas bekannteren norwegischen Autors Karl-Ove Knausgård, was seinem Roman „Wider die Natur“ auch anzumerken ist. „Liebesleid – Tomas Espedal „Wider die Natur““ weiterlesen

Der Anfang vom Ende – Peter Høeg „Der Susan-Effekt“

„Mit den tieferen wissenschaftlichen Wahrheiten ist es wie mit der Ehrlichkeit: Sie müssen mit Maß dosiert werden.

Die Zeiten, in denen die Zukunft mit einem Blick in den Kaffeesatz oder die Glaskugel gelesen wird, sind vergessen. In Dänemark ist eine Kommission aus Experten verschiedener Gebiete ins Leben gerufen worden. Ihre Prognosen für die Zukunft haben eine hohe Trefferquote, erfüllen sich nahezu immer; ob es um politische Umbrüche oder Naturkatastrophen geht. Doch mehr als 40 Jahre nach der Gründung werden deren Mitglieder getötet. Susan Svendsen entdeckt nicht nur die erste Leiche. Die 43-jährige Experimentalphysikerin ist mit ihrem Mann und den beiden Kindern Thit und Harald mittendrin in diesem rätselhaften Geschehen auf der Suche nach dem Abschlussbericht des besonderen Gremiums. Den der ist die Währung, um sich nach heiklen Vorfällen in Indien, wohin die ganze Familie gereist war, aus drohenden Gefängnisstrafen „freizukaufen“.  „Der Anfang vom Ende – Peter Høeg „Der Susan-Effekt““ weiterlesen

Duell – Jennifer Dubois „Das Leben ist groß“

„Ich sah die Schönheit, das verrückte, eigenartige Glück, das darin lag, allein und unbeachtet und barfuß irgendwo draußen in der weiten Welt  zu sein. Vielleicht war es ein Segen, irgendwie. Es war wie der freie Fall von jemandem, dessen Fallschirm nicht funktioniert.“

Ihr bleibt nicht viel Zeit. Das Leben sagt „Schach“. Irina Ellison wird vermutlich an dem heimtückischen Hirn-Leiden Chorea Huntington erkranken. Wie ihr Vater, der nach dem Verlust der motorischen Fähigkeiten auch die geistigen verliert und nach einigen Jahren stirbt. Ein Gen-Test ergibt, dass ihre Chance, ebenfalls eines Tages davon betroffen zu sein, 50:50 steht. Irina, die Philosophie und Literaturwissenschaft studiert, über Vladimir Nabokov promoviert hat, entscheidet sich für einen kompletten Lebenswandel. Sie zieht sich zuerst in eine selbst gewählte Einsamkeit zurück, um schließlich ihren Partner, Freunde und Familie zu verlassen und von Amerika nach Russland zu fliegen. Dort will sie den einstigen Schachweltmeister Alexander Besetow treffen, von dem ihr Vater, ein Pianist und College-Lehrer, einst geschwärmt und an den er damals einen Brief geschrieben hatte. Eine besondere Geschichte nimmt ihren Lauf, die in ein scheindemokratisches Land  führt. „Duell – Jennifer Dubois „Das Leben ist groß““ weiterlesen

Gemeinschaft am See – Jocelyne Saucier „Ein Leben mehr“

„Ob die Sonne scheint oder es schneit, es ist ein schöner Moment, denn es gibt immer etwas zu beobachten, den Schnee, die Sonne, den Wind, eine Hasenspur, eine vorbeifliegende Krähe, das erwachende Leben, nichts, was sie nicht kennen.“

Eines Tages ist sie einfach da. Gertrude oder besser gesagt Marie-Desneige. Die betagte, aber rüstige Tante von Bruno bekommt einen neuen Namen, nachdem ihr Neffe sie vor der Rückkehr in die Psychiatrie bewahrt hat. Eine kleine Gemeinschaft am See wird zu ihrer neuen Heimat. Abgeschieden von der modernen Zivilisation haben sich Charlie und Tom, Freunde von Bruno und wie der weibliche Neuzugang ebenfalls über 80, in die Wildnis der nordkanadischen Wälder zurückgezogen. Sie leben in bescheidenen Holzhütten, jeweils mit einem treuen Hund an der Seite. Marie-Desneige wirbelt ihr bisher beschauliches Leben, mit dem der Roman „Ein Leben mehr“ der Kanadierin Jocelyne Saucier beginnt, gehörig durcheinander. Nicht nur durch rosa Gardinen in ihrem neu errichteten Holzhaus. „Gemeinschaft am See – Jocelyne Saucier „Ein Leben mehr““ weiterlesen

Zwei Welten – Georg Klein „Die Zukunft des Mars“

„Und wenn das dumpf Gefühlte helle Wirklichkeit errungen habe, sei auf einen immer schon furchtsam Gewesenen eher Verlass als auf die vielen, die sich von ihrem Tun sorglos durch die Tage treiben ließen.“

Irgendwann in unserer Zeit. Die Menschen leben auf dem Mars. Über und unter der Oberfläche des roten Planeten. Die Bewohner der Kolonie teilen sich in Gruppen, je nach Art ihrer Beschäftigung. Sie sind Allesmacher oder Altfinder, Neubastler oder Nothelfer. Einer von den Samaritern ist Porrporr. Der junge Mann hilft allerdings nicht nur Mitmarsianern, die verletzt worden sind. Er hat sich dank des weisen Smosmo das Lesen und Schreiben angeeignet, Fähigkeiten, die auf dem Mars schon seit langem verschwunden und zudem verboten sind. „Zwei Welten – Georg Klein „Die Zukunft des Mars““ weiterlesen