Eine Suche – Florian Wacker „Stromland“

„Alle suchen sie hier draußen nach etwas, (…).“

Würden wir für einen geliebten Menschen, um die sprichwörtliche halbe Welt reisen, in ein Land, das sich vom eigenen, vertrauten so grundsätzlich unterscheidet wie der Norden vom Süden? Würden wir es wirklich tun – in die Fremde ziehen, in eine unbekannte Welt? Irina wagt es, wobei die junge Frau nicht einmal weiß oder nur ahnen kann, wo sie suchen soll. Sie macht sich auf nach Peru, in das weite wilde Gebiet des Amazonas, um ihren Zwillingsbruder Thomas zu finden. Über diese Reise nach Südamerika, über Eroberer und Entdecker, die schon weit vor ihr das Land erreicht haben, erzählt Florian Wacker in seinem Roman „Stromland“, der auf wunderbare Weise verschiedene Zeiten zusammenführt.    „Eine Suche – Florian Wacker „Stromland““ weiterlesen

Fast Familie – Tommi Kinnunen „Wege, die sich kreuzen“

„Möchtest du anders sein?  Oder möchtest du genau so sein, wie du bist, nur irgendwo anders?“

Finnland – das sind der hohe Norden, Seen, Wälder, zwischen den Bäumen vielleicht ein Elch, die trolligen wie legendären Figuren der Mumins. Finnland – das sind aber auch eine gelebte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sowie eine Literatur, die immer wieder die Rolle der Frau beziehungsweise starke Frauenfiguren in den Fokus rückt und von besonderen Familiengeschichten, geprägt von der wechselvollen Geschichte des Landes und der Europas, zu erzählen weiß. Ich denke da an die Romane von Sofi Oksanen und Katja Kettu. Mit Tommi Kinnunen betritt nun ein Mann die literarische Bühne, der in seinem Debüt „Wege, die sich kreuzen“ sich ebenfalls jenem Thema verschreibt. Und das auf beeindruckende Weise.  „Fast Familie – Tommi Kinnunen „Wege, die sich kreuzen““ weiterlesen

Von der Vergänglichkeit – Daniel Galera „So enden wir“

„Es war die diffuse Angst vor dem unabwendbaren langsamen Ersticken, nach dem nichts mehr übrig blieb.“

Was bleibt, wenn wir gegangen sind? Eine Frage, der sich wohl nur die wenigsten von uns stellen. Das Leben erfüllt uns, umgibt uns. Der Tod ist gefühlt und gedacht in weiter Ferne – glauben wir. Völlig überraschend und noch jung an Jahren stirbt Andrei Dukelsky, von allen nur Duke genannt, ein Nachfahre jüdischer Einwanderer. Er wird das Opfer eines Raubüberfalls in Porto Allegre. Seine Fangemeinde und seine drei Freunde Aurora, Emiliano und Antero trauern, die sozialen Netzwerke sind überfüllt mit floskelhaften Beileidsbekundungen. Denn Duke galt als Schriftstellertalent, auf dem die Hoffnungen vieler Generationen lagen. Der Star, der mit dem Internet berühmt geworden ist, und eine vergangene Zeit stehen im Mittelpunkt des neuen Romans „So enden wir“ von Daniel Galera.    „Von der Vergänglichkeit – Daniel Galera „So enden wir““ weiterlesen

Schmerz und Vergebung – Fernando Aramburu „Patria“

„Nichts wollte ich im Leben weniger als hassen.“

Es ist ein regnerischer Nachmittag, die Straßen sind leer. Keiner ahnt, dass es nur wenige Sekunden sind, die das Leben von zwei Familien für immer verändern werden. Der Fuhrunternehmer Txato wird in seinem baskischen Heimatdorf mit gezielten Schüssen getötet. Zeugen gibt es nicht. Doch schnell wird bekannt, wer hinter dem Mord steckt: die ETA. Verdächtigt wird Joxe Mari, Sohn von Miren und Joxian, die Freunde von Txato und seiner Frau Bittori sind. Beziehungsweise waren. Denn nach dem Attentat ist nichts mehr, wie es einmal war. Welche Folgen konkret diese Tat und allgemein der Terrorismus hat, erzählt der Spanier Fernando Aramburu in seinem meisterhaften Roman „Patria“.

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#indiebookday 2018 – Neun Herzensbücher

Eine Woche nach der Leipziger Buchmesse werde ich an dieser Stelle einmal die frischen Titel aus den wunderbaren Frühjahrsprogrammen der Verlage etwas zur Seite schieben und mich vielmehr mit meinen Regalen und einer Reihe bereits gelesener Bücher widmen. Der Grund: Heute ist indiebookday. Ein Tag, der auf unabhängige Verlage aufmerksam machen soll. Obwohl ich denke, dass die kleineren Verlage die Aufmerksamkeit im ganzen Jahr verdient haben und diese auch bekommen sollten. Doch generell sage ich immer wieder: Kauft Bücher, kauft Bücher in unabhängigen Buchhandlungen, obwohl gerade letzteres nicht immer einfach ist, wenn man in der Provinz, in einem ländlichen Gebiet wohnt. An dieser Stelle möchte ich neun Bücher vorstellen, die mich in den vergangenen Monaten besonders beeindruckt haben und die sich auch als Ostergeschenke eignen.  „#indiebookday 2018 – Neun Herzensbücher“ weiterlesen

Das Böse – Ian McGuire „Nordwasser“

„Wunder geschehen. Wenn das große Böse existiert, warum nicht auch das große Gute.“

Zu Beginn ein Geständnis. Ich bin kein Freund von Horrorfilmen. Wenn ein solcher zur Sneak Preview im Kino läuft, verlasse ich trotz der Vorfreude hastig den Saal. Es bringt bekanntlich nichts, sich hinter dem Sessel der Vorreihe zu verstecken, um die blutig-grausigen Szenen nicht sehen zu müssen. Kinobesuch bedeutet nunmal, auf die Leinwand zu schauen. Und auch in drastischen Krimis blende ich für mich so manche Bilder der Gewalt aus, in dem ich die Augen schließe oder auf der Couch sitzend mir ein Kissen vor’s Gesicht halte. Wenigstens vorübergehend. Und dann kommt „Nordwasser“. Ein Buch in Blau und Weiß gehalten mit der Schwanzflosse eines Wals auf dem Cover als Blickfang, für dessen Lektüre man starke Nerven braucht und man nicht gar so ängstlich sein sollte.  Doch obwohl furchtsam gegenüber exzessiven Gewaltszenen habe ich trotzdem den Roman des britischen Schriftstellers Ian McGuire gelesen, weil es sich einem speziellen Thema widmet, das mich seit einigen Jahren ungemein fasziniert: dem ewigen Eis.

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