Schweigen und Schuld – Verena Boos „Blutorangen“

„Es  gibt das Gesagte und dahinter das, was aus der Dunkelheit ein Echo zurückwirft.“ 

Eine Hochzeit bringt zwei Familien zusammen. Die Spanierin Maria Teresa, kurz Maite genannt, heiratet ihre große Liebe Carlos aus München, den sie während ihres Studiums kennengelernt hat. Beide ahnen indes nicht, dass ihre eigenen Familiengeschichten wiederum Ausdruck der großen Geschichte sind. Eine Fotografie bringt die Tochter aus gutem Hause auf die Spur der dunklen Vergangenheit ihres Vaters. Und auch in Carlos‘ Großvater Antonio hat sich die Geschichte hineingeschrieben.    „Schweigen und Schuld – Verena Boos „Blutorangen““ weiterlesen →

Damen mit Zepter – Lluís Llach „Die Frauen von La Principal“

Was auf den ersten Blick wie ein Unglück erscheint, verkehrt sich ins Gegenteil. Es ist eine Überraschung, wenn nicht gar eine kleine Revolution, als der katalanische Gutsbesitzer Andreu Roderich von seinen insgesamt fünf Kindern der einzigen Tochter im Bunde das Weingut La Principal zuspricht. Es ist die Zeit, als die Reblaus grassiert und ganze Weinregionen auf einen Schlag vernichtet werden. Auch die La Principal  bleibt nicht verschont. Doch in jener Zeit, als die Gleichberechtigung noch weit entfernt und die Gemeinschaft patriarchalisch geprägt war, bildet die Entscheidung des Gutsherrn den Auftakt einer lange Epoche, in der Frauen das Zepter halten. „Damen mit Zepter – Lluís Llach „Die Frauen von La Principal““ weiterlesen →

Norwegens „Bragepris“

In der Reihe „And the winner is…- Literaturpreise“ soll es nach dem Auftakt mit einem Beitrag über den Literaturpreis des nordischen Rates mit dieser zweiten Folge weitergehen. Und wir reisen an dieser Stelle noch einmal nach Skandinavien. Nicht nur, weil Nordeuropa bekanntlich sehr eng mit Literatur verbunden ist und die Nordeuropäer als sehr lesefreudig gelten, sondern auch um die Gelegenheit zu nutzen, um auf die Literatur jener Länder hinzuweisen. Konkret geht es mit dem „Brageprisen“, dem „Brage-Preis“, nach Norwegen.  „Norwegens „Bragepris““ weiterlesen →

Schatten – Christoph Hein „Glückskind mit Vater“

„Mit unseren Erinnerungen versuchen wir, ein missglücktes Leben zu korrigieren, nur darum erinnern wir uns. Es sind die Erinnerungen, mit denen wir uns gegen Ende des Lebens beruhigen.“

Der folgende Gedanke macht zugegeben recht traurig: Der Wunsch auf ein selbstbestimmtes Leben bleibt meist unerfüllt, erweist sich als Trugschluss, als Fantasie. Selbst wenn wir hoffen, wenn wir tapfer, wenn wir ehrgeizig sind. Unser Lebensweg wird oft in andere, nicht gewollte und erwünschte Richtungen gelenkt. Christoph Heins neuer Roman „Glückskind mit Vater“ erzählt davon und weckt ein melancholisches Gefühl wie er wiederum glücklich macht, einen besonderen Helden kennengelernt zu haben.  „Schatten – Christoph Hein „Glückskind mit Vater““ weiterlesen →

Zu Gast in Porrera – ein Weindorf als literarischer Ort

Von oben betrachtet scheint Porrera mit den umliegenden Weinbergen und Hügeln nahezu verschmolzen zu sein. Der 400-Seelen-Ort, gut zwei Autostunden südwestlich von Barcelona gelegen und nur über eine serpentinenreiche Straße zu erreichen, ist auf den ersten Blick ein recht beschauliches und ruhiges Dorf, in dem die Uhren etwas langsamer ticken, die Einwohner sich zu einem Schwatz auf den oft schmalen und steilen Straßen zusammenfinden oder sich in Grüppchen auf einer Bank niederlassen. Porrera ist – obwohl per se kein Touristenziel – berühmt für seinen Wein und womöglich auch bald dank eines Romans.    „Zu Gast in Porrera – ein Weindorf als literarischer Ort“ weiterlesen →

Schattenwelt – Mathias Énard „Zone“

„(…) ich weiß nicht warum ich bedauere man bedauert so vieles im Leben Erinnerungen die manchmal wieder zu brennen beginnen Schuld Reue Scham die schweren Lasten der westlichen Zivilisation.“

Seine Zugfahrt wird zu einer Reise in die Vergangenheit. Der Geheimagent Francis Mirkovic sitzt im Pendolino von Mailand nach Rom. Er ist ein Reisender erster Klasse mit fremder Identität. Er nennt sich nach einem früheren Schulkameraden und jetzigen Psychiatrie-Insassen Yves Deroy. In seinem Koffer befinden sich Dokumente und Fotos von Kriegsverbrechern, die er über mehrere Jahre gesammelt hat. Nicht nur deren Geschichte treibt ihn um. Auch seine eigene Vergangenheit lässt ihn nicht mehr los. Allen voran sein Einsatz im Balkan-Krieg und seine spätere Spionage-Tätigkeit in der „Kampfzone“ zwischen Algier und Damaskus. „Schattenwelt – Mathias Énard „Zone““ weiterlesen →