Abschied im Sommer – Rax Rinnekangas „Der Mond flieht“

„Gerade das Schicksal ist es, das Menschen zu Verrückten macht.“

Es sollte ein besonderer Sommer werden. Ein eigenartiges Gefühl des Aufbruchs liegt in der Luft, als der 13-jährige Lauri mit den Geschwisterkindern Sonja und Leo die Grenzen austestet. Ob hoch oben auf dem Prügelmann, einer alten Fichte, oder im Heu bei den ersten gegenseitigen körperlichen Entdeckungen. Eine innige Freundschaft entsteht, die sich zu einer ersten Liebe verwandelt. Doch ein entsetzlicher Unfall setzt diesem Aufbruch in die kommende Jugend ein furchtbares Ende.  „Abschied im Sommer – Rax Rinnekangas „Der Mond flieht““ weiterlesen

Liebesleid – Tomas Espedal „Wider die Natur“

„Unsere Kinder nicht, unsere Eltern nicht, unsere eigene Geschichte nicht, auch unsere Kindheit und Jugend nicht oder unsere Freunde und Freundinnen, die Liebsten nicht; nichts gehört uns.“

Die Liebe lässt sich nicht anhand des Faktors Zeit bemessen. Eine kurze intensive Partnerschaft kann deutlichere Spuren im Inneren hinterlassen als eine Beziehung, die über Jahre und Jahrzehnte andauert. Doch was schmerzt mehr – die Entscheidung des Einen, dass eine Partnerschaft gescheitert ist, oder die Überraschung des Anderen, der danach plötzlich verlassen wird? Tomas, ein Schriftsteller, zählt zu jenen, die zurückgelassen werden. Seine Freundin verabschiedet sich, verlässt die gemeinsame Wohnung. Daraufhin zieht er sich zurück, findet im Alkohol und im Schreiben seinen Trost. In seinen Notizbüchern schreibt er seinen Schmerz nieder. Tomas ist dabei kein fiktiver Unbekannter. Tomas ist Tomas Espedal, der norwegische Schriftsteller und Freund des etwas bekannteren norwegischen Autors Karl-Ove Knausgård, was seinem Roman „Wider die Natur“ auch anzumerken ist. „Liebesleid – Tomas Espedal „Wider die Natur““ weiterlesen

Duell – Jennifer Dubois „Das Leben ist groß“

„Ich sah die Schönheit, das verrückte, eigenartige Glück, das darin lag, allein und unbeachtet und barfuß irgendwo draußen in der weiten Welt  zu sein. Vielleicht war es ein Segen, irgendwie. Es war wie der freie Fall von jemandem, dessen Fallschirm nicht funktioniert.“

Ihr bleibt nicht viel Zeit. Das Leben sagt „Schach“. Irina Ellison wird vermutlich an dem heimtückischen Hirn-Leiden Chorea Huntington erkranken. Wie ihr Vater, der nach dem Verlust der motorischen Fähigkeiten auch die geistigen verliert und nach einigen Jahren stirbt. Ein Gen-Test ergibt, dass ihre Chance, ebenfalls eines Tages davon betroffen zu sein, 50:50 steht. Irina, die Philosophie und Literaturwissenschaft studiert, über Vladimir Nabokov promoviert hat, entscheidet sich für einen kompletten Lebenswandel. Sie zieht sich zuerst in eine selbst gewählte Einsamkeit zurück, um schließlich ihren Partner, Freunde und Familie zu verlassen und von Amerika nach Russland zu fliegen. Dort will sie den einstigen Schachweltmeister Alexander Besetow treffen, von dem ihr Vater, ein Pianist und College-Lehrer, einst geschwärmt und an den er damals einen Brief geschrieben hatte. Eine besondere Geschichte nimmt ihren Lauf, die in ein scheindemokratisches Land  führt. „Duell – Jennifer Dubois „Das Leben ist groß““ weiterlesen

Gemeinschaft am See – Jocelyne Saucier „Ein Leben mehr“

„Ob die Sonne scheint oder es schneit, es ist ein schöner Moment, denn es gibt immer etwas zu beobachten, den Schnee, die Sonne, den Wind, eine Hasenspur, eine vorbeifliegende Krähe, das erwachende Leben, nichts, was sie nicht kennen.“

Eines Tages ist sie einfach da. Gertrude oder besser gesagt Marie-Desneige. Die betagte, aber rüstige Tante von Bruno bekommt einen neuen Namen, nachdem ihr Neffe sie vor der Rückkehr in die Psychiatrie bewahrt hat. Eine kleine Gemeinschaft am See wird zu ihrer neuen Heimat. Abgeschieden von der modernen Zivilisation haben sich Charlie und Tom, Freunde von Bruno und wie der weibliche Neuzugang ebenfalls über 80, in die Wildnis der nordkanadischen Wälder zurückgezogen. Sie leben in bescheidenen Holzhütten, jeweils mit einem treuen Hund an der Seite. Marie-Desneige wirbelt ihr bisher beschauliches Leben, mit dem der Roman „Ein Leben mehr“ der Kanadierin Jocelyne Saucier beginnt, gehörig durcheinander. Nicht nur durch rosa Gardinen in ihrem neu errichteten Holzhaus. „Gemeinschaft am See – Jocelyne Saucier „Ein Leben mehr““ weiterlesen

Vom Menschsein – Lily King „Euphoria“

„Ich glaube, mehr als alles andere ist es die Freiheit, nach der ich in meiner Arbeit suche, in all diesen entlegenen Gegenden der Welt – nach einer Gruppe von Menschen, die einander den Raum geben, so zu sein, wie es den Bedürfnissen eines jeden entspricht. Und vielleicht werde ich niemals in einer einzigen Kultur fündig werden, sondern finde Teile davon in verschiedenen Kulturen, die ich dann wie ein Mosaik zusammensetzen und der Welt vorführen kann.“

Der Zufall bringt sie zusammen. Weihnachten 1932 begegnen sich die drei Ethnologen Nell Stone, Schuyler Fenwick und Andy Bankson auf der Regierungsstation in Angoram/Neuguinea. Nell und Fen sind verheiratet und wollen nach ihrem Aufenthalt bei verschiedenen Völkern die Insel wieder in Richtung Australien verlassen, um dort das Leben der Aborigines zu erforschen. Doch Andy kann die beiden überreden zu bleiben. Er verspricht ihnen, ein Volk zu finden, das sie untersuchen können. Zu Beginn eher eine rein berufliche Verbindung, entwickeln sich zwischen Nell und Andy tiefe Gefühle und eine Abhängigkeit, die später dramatische Folgen haben werden.  „Vom Menschsein – Lily King „Euphoria““ weiterlesen

Wort und Bild – Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg „Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln“

„wir werden durch unsere freunde sichtbar unsere selbstzweifel lassen uns verschwinden“

Ein Autor trifft auf eine Fotografin. Gemeinsam planen sie, einen Moment auf ihre ganz eigene Weise zu erfassen. Der Autor mit seinen Worten, die Fotografin mit einem Bild. Es ist fast ein Wettkampf, eine besondere Verbindung. Die Fotografin nimmt eine Szene auf, der Autor soll bis zum Ende des Tages ein Gedicht dazu schreiben. Entstanden ist ein Band, der beglückt – mit wunderbaren Aufnahmen und herausragenden Texten. Und dies ist nur der erste Streich. Nach dem ersten Buch mit 90 Fotografien und Gedichten sollen nach dem Wunsch von Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg drei weitere entstehen.  „Wort und Bild – Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg „Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln““ weiterlesen