Es kommt nie so, wie man denkt. Es kommt so, wie man nie gedacht hat. Das Netz ist voll von weisen Sprüchen von klugen Leuten. Auch diesen findet man dort. Und zigandere über den Lauf der Welt und des Lebens. Doch meist helfen große Worte nicht im Moment, der letztlich entscheidend sein kann und alles über den Haufen wirft. Jeder erlebt seine eigenen Wendezeiten: ob glückliche oder tragische. Im Erzählband „Amateure“ von Angelika Klüssendorf geht es darum: um das Leben und seinen oft undurchschaubaren Lauf. „Wendezeiten – Angelika Klüssendorf „Amateure““ weiterlesen
Schlagwort: Liebe
Ehrgeiz – Jean Prévost „Das Salz in der Wunde“
„Ein Erfolg ist nichts dagegen, und keiner der Ehrgeizigen hört auf, wenn sein Ziel erreicht ist: Alle wollen zu diesem ersten Moment zurück, ziehen von Neuem los und reiten ihr Glück zu Tode.“
Von einem Moment auf den anderen kommt der Fall. Eine falsche Verdächtigung bringt Dieudonné Crouzon um seine Zukunft. Er soll die Geldbörse eines Freundes gestohlen haben. Von da an verändert sich das Leben des Studenten komplett. Er flieht – von Paris in die Provinz nach Châteauroux. Dank der Hilfe seines Freundes Boutin, der noch immer zu ihm hält und auch weiterhin halten wird. Crouzon findet eine Stelle als einfacher Schreiber bei einer Wahlkampfzeitung – und was er wohl kaum für möglich gehalten hat: Sein Aufstieg beginnt. „Ehrgeiz – Jean Prévost „Das Salz in der Wunde““ weiterlesen
Ist das Liebe? – Natascha Wodin „Nachtgeschwister“
„Unsere Vergangenheit hatte uns zu dem gemacht, was wir waren, wir konnten beide nicht aus eigener Kraft leben, das war, neben dem Schreiben, unsere tiefste und innigste Gemeinsamkeit und zugleich die ganze Unmöglichkeit zwischen uns.“
Dieser Beitrag würde es ohne die Anziehungskraft von Wühltischen nicht geben. Verfechter kostbarer Hardcover-Ausgaben mögen an dieser Stelle kurzzeitig die Augen schließen. Dies ist mein Geständnis: Ja, ich habe das Buch „Nachtgeschwister“ von Natascha Wodin aus einem Wühltisch gerettet. Es hat nur wenige Euro gekostet, zeigt am Schnitt auch diesen verdammt hässlichen Stempel „Preisred. Mängel-Exemplar“, als ob das Wort „preisreduziertes“ nicht wert ist, ausgeschrieben zu werden. Doch diese Erfahrung verbindet mich sogleich – schicksalhaft oder nicht – mit der Heldin des Buches. Auch sie hat ein Buch aus einem Wühltisch geklaubt. Was sie indes danach erlebte, war sowohl Leidenschaft als auch die Hölle. „Ist das Liebe? – Natascha Wodin „Nachtgeschwister““ weiterlesen
Nach dem Abgrund – Ralf Bönt „Das kurze Leben des Ray Müller“
„Laut einer meiner Schülerinnen gibt es ein mathematisches Gesetz, nach dem jeder, an den man denkt, mindestens halb so oft auch an einen schon gedacht hat.“
Was hebt die eigene Welt aus den vertrauten Angeln, wie kann einem der Teppich unter den Füßen weggezogen werden? Wann wird aus Unschuld Schuld? Marko Kindler weiß darüber eine Geschichte zu erzählen, es ist seine eigene. Er blickt zurück auf die vergangenen Jahre, als er in einer Gefängniszelle auf den Psychologen wartet, nachdem er seinen nur wenige Wochen alten Sohn entführt hat. Dabei lief es für den Juristen, Übersetzer und Krimi-Autor doch alles wie am Schnürchen, nachdem er aus einem Tief wieder nach oben gekommen war. Nach einer gescheiterten Beziehung trifft er auf die Journalistin Lycile, das Paar bekommt mit dem kleinen Ray nach zahlreichen Fehlgeburten endlich das ersehnte Kind. Doch der Schein einer perfekten Familie trügt. Denn allzu viel ist passiert in jenen Jahren. „Nach dem Abgrund – Ralf Bönt „Das kurze Leben des Ray Müller““ weiterlesen
Die Kraft in mir – Kenneth Bonert „Der Löwensucher“
„Ist das die Natur blinder Zeit? Natürlich: Alles ist blind, jenseits von Vergleichen, für die Zukunft nutzlos. Jedes Leben ist wie eine Messerspitze, die die leere Zeit ansticht, und heraus bluten immer neue Überraschungen.“
Die Heimat ist Vergangenheit und Tausende Kilometer entfernt. Was bleibt sind Erinnerungen, Gedanken an den Großteil der Familie und ein Fotoalbum, in dem Gitelle und ihr Sohn Isaac immer wieder blättern. „Nenne mir ihre Namen!“, fordert sie ihn auf. Als ob damit die Entfernung von Kontinent zu Kontinent, zwischen Litauen und Johannesburg wie durch Zauberhand schrumpfen könnte. Hier hat es die junge Frau im Jahr 1924 mit ihren beiden Kindern Isaac und Rively verschlagen. Der Vater, Abel, hat bereits zuvor die baltische Heimat in Richtung Südafrika verlassen. Die jüdische Familie ist geflohen vor dem Hass, den sie leibhaftig erleben musste. „Die Kraft in mir – Kenneth Bonert „Der Löwensucher““ weiterlesen
Entdeckung der Einsamkeit – Thomas Glavinic „Das größere Wunder“
„Liebe ist: den leuchtenden Punkt der Seele des anderen zu erkennen und anzunehmen und in die Arme zu schließen, vielleicht gar über sich selbst hinaus.“
Suchende sind nicht immer Findende. Nur wenigen ist es vergönnt, etwas Großes für sich zu entdecken wie die wirkliche Liebe für das ganze Leben. Für sie ist Jonas um die ganze Welt gereist. Hundert Länder hat er besucht, auf nahezu allen Kontinenten ist er gewesen, selbst in Australien und in der Antarktis. Doch dann geht Marie weg, und Jonas auf den höchsten Berg der Welt. In mehreren Tausend Metern Höhe zieht sein Leben vorbei, das der Erzähler in dem Roman „Das größere Wunder“ von Thomas Glavinic beschreibt. „Entdeckung der Einsamkeit – Thomas Glavinic „Das größere Wunder““ weiterlesen





