Gewalten – D.W. Wilson „Als alles begann“

„Und es gab kein Bedürfnis, keine Sorge mehr – nicht in jenem Augenblick. Alles würde neu werden. Alle müden Wanderer würden ihr Ziel der Ruhe und Versöhnung erreichen. Das war immer die einzige Art, in der es enden würde.“

Es ist der letzte Wunsch seines Großvaters, der Alans Rückkehr in seine Heimatstadt Invermere bewirkt. Der Philosophie-Student lässt seine Doktorarbeit und seine Freundin Darby in der gemeinsamen Beziehungskrise zurück. Sein Großvater Cecil glaubt, nach einem Herzanfall vor dem baldigen Lebensende zu stehen.  Seine Bitte: Alan soll seinen Vater Jack, Cecils Sohn, ausfindig machen. Doch dies ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Nicht nur machen schwere Waldbrände in den Rocky Mountains die Fahrt in den Westen zu einem mehr als beschwerlichen Trip. Zwischen Jack und Cecil herrscht seit knapp 28 Jahren Funkstille – genauer gesagt: seit Alan auf der Welt ist. „Gewalten – D.W. Wilson „Als alles begann““ weiterlesen

Von Ost nach Ost – Christa Wolf „Moskauer Tagebücher“

„Vielleicht leben wir zwischen diesen Bergen, beginnen zu ahnen, daß wir immer im Tal sein werden, beginnen darunter zu leiden, können uns aber aus eigener Kraft nicht aufschwingen.“

Das  Land und ihre Menschen ließen sie zeitlebens nicht los. Zehnmal reiste Christa Wolf (1929 – 2011) in die Sowjetunion; zuerst 1957 als junge Journalistin und Autorin, zuletzt 1989 als die Wende dem Sozialismus ein Ende setzte. Über ihre Reisen geben ihre Tagebücher Auskunft, die mehr sind als nur Einträge ihres eigenen Tuns. In ihren Texten, die sie nie als literarisch empfand und nun  von ihrem Mann Gerhard Wolf herausgegeben wurden, beschreibt sie das Land und das Leben, die Sorgen und Nöte der Menschen.  „Von Ost nach Ost – Christa Wolf „Moskauer Tagebücher““ weiterlesen

Alte neue Zeit – Hansjörg Schertenleib „Jawaka“

„Schafft der Zufall Bedeutung, oder hängt alles zusammen, geordnet nach einem Plan, den wir Menschen nicht verstehen können?“

Katastrophenmeldungen beherrschen die Nachrichten. Städte stehen durch den ansteigenden Meeresspiegel unter Wasser. Woanders ist Dürre. Tierarten sterben aus. Terroranschläge fordern unzählige Tote. Es gibt Aufstände und Unruhen in Europa. Nur etwas mehr als 30 Jahre später soll die Erde nicht mehr so sein, wie wir sie kennen. Nach einer globalen Katastrophe leben die Menschen wie im Mittelalter; in kleinen Siedlungen, von Ritualen und Bräuchen geprägt. Die moderne Technik gibt es nicht mehr. Das Geld wurde abgeschafft. „Alte neue Zeit – Hansjörg Schertenleib „Jawaka““ weiterlesen

Nebel des Vergessens – Kazuo Ishiguro „Der begrabene Riese“

„Ein freundliches grünes Tal. Ein hübsches Gehölz im Frühling. Aber  fang an zu graben, und gleich unter den Margeriten und Butterblumen kommen die Toten zum Vorschein.“

In der Literatur scheint nicht nur das Thema Endzeit die Autoren derzeit viel zu beschäftigen. Heinz Helles „Eigentlich müssten wir tanzen“, Cormac McCarthys „Die Straße“, Emily St. John Mandels „Das Licht der letzten Tage“ oder Valerie Fritzschs „Winters Garten“ seien an dieser Stelle genannt. Mehr und mehr finden sich Leser auch bei der Lektüre von ernster Literatur in Märchen und fantastischen Geschichten wieder. David Mitchell und ja auch Haruki Murakami sind da beispielgebend. Mit „Der begrabene Riese“ legt der japanisch-englische Autor  und Gewinner des renommierten Booker-Prizes Kazuo Ishiguro nun seinen lang erwarteten neuen Roman vor, der  ein großes Thema in Form eines Märchens erzählt.  „Nebel des Vergessens – Kazuo Ishiguro „Der begrabene Riese““ weiterlesen

Abschied – Siegfried Lenz „Das Wettangeln“

Und rums. Da liegt er – mit der Nase im Ufersand, über ihn wie ein kleiner Berg der Rollstuhl. Ein bronzefarbenes Horn und der Hut schweben noch in der Luft. Henry Weiß ist gestürzt. So hat der Illustrator Nikolaus Heidelbach die erste Szene in der Erzählung „Das Wettangeln“ von Siegfried Lenz in Farbe festgehalten. Es ist ein ganz besonderes Werk, weil das letzte im Schaffen des großen deutschen Autors, der am 7. Oktober 2014 verstarb.  „Abschied – Siegfried Lenz „Das Wettangeln““ weiterlesen

Zwei Schwestern – Frances Greenslade „Der Duft des Regens“

„Der Schmerz war wie ein Fluss, auf dem ich paddelte; wenn ich versuchte, einen Fuß hineinzusetzen, würde er mich umreißen.“

Erwachsen zu werden bringt es mit sich, auf Familiengeheimnisse zu stoßen.  Ein Kind soll davon verschont bleiben, meine viele. Dabei kann ein Geständnis, eine Erklärung, eine Geschichte aus vergangener Zeit in späteren Jahren  Verwirrung stiften. Maggie, die Protagonistin und Erzählerin in dem Debüt-Roman „Der Duft des Regens“ der Kanadierin Frances Greenslade, soll diese Erfahrung machen. „Zwei Schwestern – Frances Greenslade „Der Duft des Regens““ weiterlesen