Rakel Haslund-Gjerrild – „Adam im Paradies“

„Künstler zu sein ist das Herrlichste von allem. Künstler kann jeder werden, der will.“

In der dänischen Malerei nimmt Kristian Zahrtmann (1843 – 1917) eine Sonderstellung ein. Er ist Künstler und zugleich Mentor, der seine Erfahrungen an seine zahlreichen Schüler weitergibt. Mit seinen Bildern geht er eigene Wege, als er sich von gewissen Traditionen und dominierenden Stilen verabschiedet, um anderen wieder neues Leben einzuhauchen. In ihrem Roman „Adam im Paradies“ widmet sich die dänische Schriftstellerin Rakel Haslund-Gjerrild Zahrtmanns Leben, Schaffen und seiner Zeit. Im Mittelpunkt ein großer Skandal: 1906/07 stehen mehrere Männer wegen ihrer Homosexualität vor Gericht. Denn erst 1930 wird in Dänemark der Paragraf 177 des Allgemeinen bürgerlichen Strafrechts, der „Umgang wider die Natur“ unter Strafe stellt, aufgehoben. „Rakel Haslund-Gjerrild – „Adam im Paradies““ weiterlesen

Ian McEwan – „Lektionen“

„So viele vergessene Lektionen.“ 

Das ganze Leben. Die Meisterklasse in der Literatur. Schriftsteller haben sich daran abgearbeitet, die einem Menschen gegebene Zeit zu erzählen. Manchen ist es bravourös gelungen, manche sind daran kläglich gescheitert. Der Engländer Ian McEwan zählt zur ersten Gruppe. Denn sein neuer Roman „Lektionen“ ist ein Meisterwerk, das dem Leser einen Leserausch verschafft, der lange im Gedächtnis bleibt. 

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Thomas Halliday – „Urwelten“

„(…) doch aus der Perspektive der Tiefenzeit erweist sich Dauer als Illusion.“

Die Urzeit – Welten so fremd wie faszinierend. Als Kind war ich wie wohl jedes Kind beeindruckt von Dinosauriern, ob klein oder groß. Noch immer geistert in meiner Erinnerung ein tschechischer Film herum, den ich einst im Kino im gepflegten Schwarz-Weiß gesehen hatte: „Die Reise in die Urzeit“. Vier Jungen machen sich auf eine Zeitreise zurück in die Erdgeschichte – per Boot, eine Höhle als Ausgangspunkt. Mit seinem Buch „Urwelten“ lädt der schottische Paläontologe und Evolutionsbiologe Thomas Halliday zu einer nicht minder spannenden wie lehrreichen Tour ein und erweckt die Begeisterung für vergangene Welten aufs Neue, wobei er zugleich das Gestern mit dem Heute verbindet und auf den zerstörerischen Einfluss des Menschen aufmerksam macht.

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Steffen Schroeder – Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor

„Die Welt ist ein Paradox. Und alles ist möglich.“

Sie gelten als die klügsten Köpfe, zählen zu den bekanntesten Wissenschaftlern ihrer Zeit. Ihre Söhne sind hingegen eingesperrt hinter dicken Mauern. Erwin Planck wird als Widerständler im Zuge des 20. Juli 1944 im Gefängnis Tegel inhaftiert. Eduard Einstein ist Patient der psychiatrischen Anstalt Burghölzli in Zürich. Mit seinem berührenden wie komplexen Roman „Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor“ erzählt der Autor und Schauspieler Steffen Schroeder von zwei berühmten Vätern und ihren besonderen Söhnen – und einer dunklen Zeit.

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Lea Ypi – „Frei“

„Die Menschen machen ihre Geschichte nie unter selbstgewählten Umständen.“

Albanien – das unbekannte Land in Europa. Eine Wendung, die oft über Reiseberichten steht. Denn was wissen wir von diesem Land im Südosten des Kontinents, das wohl bei vielen von uns nicht unbedingt auf der Hitliste der Reiseziele steht, obwohl Bilder von eindrucksvollen Landschaften und dem faszinierenden Kontrast von Bergen und Meer zeugen. Lea Ypi ist ein Kind Albaniens. 1979 in Tirana geboren, unterrichtet sie heute Politische Theorie als Professorin an der London School of Economics. Eines ihrer Forschungsgebiete ist der Marxismus, was nicht von ungefähr kommt. Sie ist elf als auch in ihrem Land der eiserne Vorhang fällt. In ihrem Buch „Frei“ erzählt sie von ihren prägenden Erlebnissen und Erinnerungen – am Ende der Geschichte.        „Lea Ypi – „Frei““ weiterlesen

Stefan Hertmans – „Der Aufgang“

„Vielleicht möchte man durch den Besuch eines Ortes der Erinnerung, selbst wenn die Erinnerung nicht die eigene ist, den Lauf der Geschichte für einen Augenblick aufhalten.“

Ein Tag im Spätsommer 1979 in Gent: Während eines Spaziergangs durch das Stadtviertel Patershol entdeckt Stefan Hertmans ein historisches Patrizierhaus. Wenig später erwirbt er das Gebäude; obwohl es kein Palast, sondern verwinkelt, kalt und feucht ist, und Hertmans damals gerade mal 28 Jahre alt und knapp bei Kasse ist. Was er damals noch nicht ahnen konnte – in dem Haus wohnte einst der berüchtigte SS-Offizier Willem Verhulst mit seiner Familie. Der Autor begibt sich auf die Spuren der Vorbewohner, seine Recherche-Ergebnisse, literarisch verarbeitet, münden schließlich in sein meisterhaftes Buch „Der Aufgang“.  „Stefan Hertmans – „Der Aufgang““ weiterlesen