Alexander Gorkow – „Die Kinder hören Pink Floyd“

„Wer nicht atmet, fällt um.“

Jeder von uns hat wohl einen Soundtrack des Lebens. Songs wie ewig währende Ohrwürmer von Musikern, deren Alben unweigerlich Erinnerungen in uns auslösen.  Bei mir war/ist es Elton John (bitte nicht lachen!). Während in meiner Klasse die meisten Hip-Hop, Grunge, Wave oder Gothic hörten, kannte und sang ich die Songs des Pianoman aus dem Londoner Vorort Pinner. Sogar jene ellenlangen und schwermütigen wie „Funeral For A Friend /Love Lies Bleeding“. Meine erste Brille, nach der Schuluntersuchung angemahnt, war nahezu rund. Nur nicht so bunt wie die von Elton.  Der Ich-Erzähler aus „Die Kinder hören Pink Floyd“ wird geprägt – wie es der Titel und das auffällige Cover des Buches verrät – durch die Hingabe seiner älteren Schwester an die britische Kultband. Alexander Gorkow hat mit seinem neuen Roman ein melancholisches wie humorvolles autobiografisches Porträt seiner Kindheit und der 70er-Jahre geschrieben.

„Alexander Gorkow – „Die Kinder hören Pink Floyd““ weiterlesen

Stephen Crane – „Die rote Tapferkeitsmedaille“

„Es war wohl der instinktive Impuls eines Lebenden, in den Augen des Todes die Antwort auf die Frage aller Fragen zu finden.“

Bei einer Passage denkt man unweigerlich an den Klassiker „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. 1929 erschienen, werden in dem Antikriegsbuch die Schrecken des Ersten Weltkrieges aus der Sicht des jungen Soldaten Paul Bäumer geschildert . „Am Rappahannock nichts Neues“ heißt es im 16. Kapitel des Romans „Die rote Tapferkeitsmedaille“ aus der Feder des amerikanischen Autors Stephen Crane (1871 – 1900), dem für das Leben und sein literarisches Schaffen nur wenig Zeit vergönnt war. Bereits 1895 unter dem Originaltitel „The Red Badge of Courage“ veröffentlicht, kann der Roman über den amerikanischen Bürgerkrieg in einer Neuübersetzung wiederentdeckt werden.

„Stephen Crane – „Die rote Tapferkeitsmedaille““ weiterlesen

Anna Nerkagi – „Weiße Rentierflechte“

„Das Alter ist die Weisheit der Seele.“

Die Nenzen leben in den nahezu menschenleeren und unwirtlichen Weiten der Tundra im äußersten Norden Russlands. Samt ihren unzähligen Rentieren, mit denen sie von Ort zu Ort ziehen. Dieses indigene Nomaden-Volk gehört zu den kleineren im Norden unserer Erde. Erstmals ist mit “ Weiße Rentierflechte“ von Anna Nerkagi ein Buch einer nenzischen Autorin ins Deutsche übertragen worden.  Ein Buch voller Weisheit und Schönheit, das Einblicke in die archaische Lebensweise der Nenzen gibt.
„Anna Nerkagi – „Weiße Rentierflechte““ weiterlesen

Lukas Hartmann – „Schattentanz“

„Es ist meine Art. Ich bin kein Sonnenwesen.“

Er starb arm und vereinsamt. Verkannt von der Welt. In einem Altersheim für Bedürftige in Ballaigues verbrachte der Schweizer Künstler Louis Soutter (1871 – 1942) fast 20 Jahre seines Lebens – von der Familie als ungeliebtes und unverstandenes Mitglied abgeladen, ja regelrecht verbannt. Erst nach seinem Tod wird seinem Werk die verdiente Aufmerksamkeit und Würdigung geschenkt. Heute zählt Soutter zu den wichtigsten Vertretern der Art brut. Hermann Hesse widmete dem Künstler ein Gedicht, über dessen Leben und Schaffen Lukas Hartmann in seinem jüngsten Roman „Schattentanz“ auf eine informative, aber auch berührende Art und Weise erzählt.

„Lukas Hartmann – „Schattentanz““ weiterlesen

Per Petterson – „Männer in meiner Lage“

„(…) denn alles, was ich an Dunkelheit hatte, drückte von innen gegen die Wände und füllte den Raum (…).“

Als sie in Oslo die Fähre in Richtung Frederikshavn bestiegen, konnte keiner der 383 Passagiere und 99 Besatzungsmitglieder an jenem 7. April 1990 ahnen, dass ihre folgende Fahrt über das Skagerrak in eine verheerende Katastrophe münden würde. Bei einem Brand auf der „Scandinavian Star“ starben an jenem Tag 159 Menschen. Darunter die Eltern und der jüngste Bruder des norwegischen Schriftstellers Per Petterson.  Nach seinem bereits im Jahr 2007 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Im Kielwasser“ verarbeitet er auch in seinem jüngsten Buch „Männer in meiner Lage“ das Drama und den Verlust, den er damals als 38-Jähriger erfahren musste.  „Per Petterson – „Männer in meiner Lage““ weiterlesen

Julia Phillips – „Das Verschwinden der Erde“

„Die Welt war dazu da, dass die Menschen litten.“

Einst militärisches Sperrgebiet, heute Sehnsuchtsziel für Abenteuerlustige und vermutlich all jene, die eine Mischung aus Sibirien und Island suchen. Wenig ist wohl hierzulande über Kamtschatka bekannt, über jene Halbinsel mit ihren Vulkanen und Geysiren ganz im nordöstlichen Zipfel Russlands gelegen, umgeben vom Beringmeer und dem Nord-Pazifik. Man wird wohl lange suchen müssen, um sie als Schauplatz in der Literatur zu finden. Das ändert nun das eindrucksvolle Debüt „Das Verschwinden der Erde“ der Amerikanerin Julia Phillips. Darin bringt sie dem Leser die dünn-besiedelte Halbinsel mit ihren vielen Gesichtern und Geschichten näher. „Julia Phillips – „Das Verschwinden der Erde““ weiterlesen