Emmanuelle Fournier-Lorentz – „Villa Royale“

„Die Toten kommen nicht wieder, und die Lebenden gehen fort.“

Kein Ort, nirgends. Sie sind immer auf Achse, nach nur wenigen Wochen verlassen sie wieder die Stadt, in die es sie zuvor verschlagen hat. Seit dem überraschenden und allzu frühen Tod ihres Vaters ist für Palma nichts mehr, wie es einst gewesen war. Gemeinsam mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern Charles und Victor führt sie ein Leben auf der Flucht – und der Trauer. Mit ihrem Debütroman „Villa Royale“ hat die Französin Emmanuelle Fournier-Lorentz eine berührende wie sonderbare Familiengeschichte geschrieben, die von der besonderen Erzählstimme lebt und durchaus auch Spannung enthält.  „Emmanuelle Fournier-Lorentz – „Villa Royale““ weiterlesen

Alba de Céspedes – „Das verbotene Notizbuch“

„Wann sind wir wahrhaftig wir selbst?“

Bereits mit dem Kauf überschreitet sie ganz bewusst eine Grenze. An einem Sonntag im November entdeckt Valeria beim Tabakhändler ein Notizbuch. Mit all ihren Überredungskünsten überzeugt sie ihn, ihr schließlich doch den schlichten Band auszuhändigen, obwohl er sonntags nur Tabak verkaufen darf, der letztlich in Form von Zigaretten auch das eigentliche Ansinnen Valerias war, das Haus an jenem Morgen zu verlassen. Das Notizbuch und das Schreiben verändern fortan das Leben der Ehefrau und zweifachen Mutter. Mit „Das verbotene Notizbuch“ hat die kubanisch-italienische Schriftstellerin Alba de Céspedes (1911-1997) einen zeitlosen Klassiker über eine Frau und das verzweifelte Ringen um Selbstbestimmung geschrieben, der in einer Neuübersetzung von Verena von Koskull nun wieder entdeckt werden kann.

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Tina Pruschmann -„Bittere Wasser“

„Es bleiben so komische Sachen übrig, wenn ein Land verschwindet.“

Sie hießen Busch, Berolina und Aeros. Mit Mann und Maus und Manege tourten sie einst durch ein Land, das es heute nicht mehr gibt, – und darüber hinaus in ganz Europa und Übersee. 1960 wurde in der DDR der Staatszirkus als Volkseigener Betrieb mit seinen drei „Betriebsteilen“ gegründet. Mehr als 60 Jahre danach widmet die Leipzigerin Tina Pruschmann sich in ihrem eindrücklichen Roman „Bittere Wasser“ diesem spannenden Kapitel. Und mehr noch: Zugleich schreibt sie über die bewegte Geschichte eines Dorfes im Erzgebirge zwischen Bergbau und Kurerholung. Eine besondere Kombination, die fasziniert.

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Sorj Chalandon – „Verräterkind“

„Aber was warst du dann, Papa?“

Als der gefürchtete Ex-Gestapo-Chef Klaus Barbie im Frühjahr und Sommer 1987 im Lyoner Justizpalast auf der Anklagebank sitzt, hat Sorj Chalandon, Auslandskorrespondent der französischen Tageszeitung Libération, in den Reihen der akkreditierten Reporter Platz genommen. Sein Vater verfolgt die öffentlichen Gerichtsverhandlungen als Zuschauer. Die Resonanz auf den Prozess ist riesig. Derweil eskaliert zwischen Vater und Sohn ein Konflikt. Chalandon erhält Informationen über die Vergangenheit seines Vaters, der über seine Rolle im Zweiten Weltkrieg seine Familie belogen hat. Mit seinem neuen autofiktionalen Roman „Verräterkind“ führt der Franzose sowohl in die 80er-Jahre und in die Zeit der deutschen Besatzung als auch in seine eigene Familiengeschichte.

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Ian McEwan – „Lektionen“

„So viele vergessene Lektionen.“ 

Das ganze Leben. Die Meisterklasse in der Literatur. Schriftsteller haben sich daran abgearbeitet, die einem Menschen gegebene Zeit zu erzählen. Manchen ist es bravourös gelungen, manche sind daran kläglich gescheitert. Der Engländer Ian McEwan zählt zur ersten Gruppe. Denn sein neuer Roman „Lektionen“ ist ein Meisterwerk, das dem Leser einen Leserausch verschafft, der lange im Gedächtnis bleibt. 

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Ingvild H. Rishøi – „Andere Sterne“

„Manchmal gibt es einfach keinen Ausweg, und dann geschieht ein Wunder.“ 

Weihnachten steht vor der Tür. Wie jedes Jahr. Für den Weihnachtsbaum-Verkauf im Osloer Stadtteil Tøyen wird ein pflichtbewusster und verantwortungsvoller Mitarbeiter gesucht. Für den Vater von Ronja und Melissa die Chance, nach seinen zahlreichen Abstürzen wieder auf die Beine zu kommen, seinen Kindern ein gesichertes Leben zu bieten. Doch dann wird wieder alles so wie befürchtet. Nur diesmal helfen sich die beiden Schwestern selbst und übernehmen Verantwortung – mit der Unterstützung anderer. Mit ihrem Roman „Andere Sterne“ hat die norwegische Autorin Ingvild H. Rishøy eine besondere Weihnachtsgeschichte geschrieben, die sowohl den Zauber des Festes einfängt, als auch traurige Einblicke in eine mit Sorgen behaftete Familie gibt.  „Ingvild H. Rishøi – „Andere Sterne““ weiterlesen